Warum die 40-Stunden-Woche gar nicht so schlimm ist

Nicht jede Kindheitserinnerung zaubert einem auch im Erwachsenenalter noch ein Lächeln aufs Gesicht. Du erinnerst dich mit Sicherheit noch an all die Nächte, in denen du schweißüberströmt aufgewacht bist, so wie letzte Woche zum Beispiel. Dabei hattest du deine Eltern vorher darum gebeten, unter deinem Bett nachzuschauen, ob sich auch wirklich keine 40-Stunden-Woche darunter versteckt.

Möge die 40-Stunden-Woche mit dir sein!

5 Tage.

8 Stunden.

100 Branchen.

1000 Unternehmen.

Die 40-Stunden-Woche ist nahezu überall und seit den 1990er Jahren in vielen Branchen zu finden.

Samstags gehört Vati mir.

Unter diesem Motto stand eine Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der 1956 die bis dahin übliche 48-Stunden-Woche verkürzen wollte. Teilweise reduzierten Branchen die wöchentliche Arbeitszeit sogar auf unter 40 Stunden, wie die Metallindustrie oder die holzverarbeitende Industrie zeigen. Du siehst:

Früher war nicht alles besser – aber länger!

Ich liebe den Geruch von 40-Stunden-Wochen am Morgen

Du etwa nicht?

Verständlich. Schon in der Schulzeit war es häufig eine Qual, überhaupt das Bett zu verlassen.

Im Studium versuchte man beim Erstellen des Stundenplans dem Frühaufstehen aus dem Weg zu gehen und die Schlummertaste am Wecker konnte hin und wieder zwei- oder dreimal genutzt werden.

Aber zurück in die Gefilde, in denen man tatsächlich im Dunkeln aufstehen muss?

Übung macht den Meister – der fällt nicht vom Himmel!

Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Die Zeitungen neben deinem Keramik-Thron, das Buch auf dem Nachttisch und das griffbereite Salz als geschmacklicher Heilsbringer in der Küche sind nur kleine Indizien dafür, dass der Alltag eines Jeden in gewisser Weise durchritualisiert ist.

Warum sollte frühes Aufstehen nicht auch wieder ein Ritual werden können?

Und im Zweifel bleibt ja immer noch der Teilzeitarbeitsvertrag.

Oder Lehrer werden – denn gefühlt arbeiten die weniger als der durchschnittliche Arbeitnehmer und haben dafür doppelt so viele Urlaubstage.

Ihr verliert kein Wort über den 40-Stunden-Club!

Manchmal hilft es, sich gar nicht so viele Gedanken zu machen und nicht schon vorab die 40-Stunden-Woche zu einem unbezwingbaren Monster groß zu reden. Schließlich ist das Monster zähmbar:

Du hast die Möglichkeit, nach deinem Studium ein Vollzeitpraktikum zu machen.

Dort lernst du das Frühaufstehen im Handumdrehen und hast für einen gewissen Zeitraum wieder einen geregelten Tagesablauf.
Der Vorteil?

Feierabend ist auch Feierabend. Keine Hausarbeiten mehr schreiben, keine Referate mehr vorbereiten. Nichts außer Freizeit.

Vor dem ersten Tag wirst du so aufgeregt sein, dass dein Körper gar nicht ans Verschlafen denkt.

Ich mache dir ein Wochenstunden-Angebot, das du nicht ablehnen kannst

Immer noch unsicher?

Es muss ja nicht gerade ein Job als Allgemeinmediziner oder Wirtschaftsingenieur mit mindestens 50 Wochenstunden sein.

Aber falls du der 40-Stunden-Woche mit einem Praktikum nicht zumindest eine Chance zugestehen willst, gibt es auch andere Varianten, die für dich in Frage kommen könnten.

Dabei ist nicht mal ausschließlich das Leben als Freiberufler gemeint, wo du dir deine Zeit selbst einteilen kannst – aber dementsprechend leider auch kein festes Einkommen hast. Das bedeutet auch keine geregelten Arbeitstage oder Wochenarbeitszeiten, geschweige denn einen festen Stundenlohn oder Monatslohn.

In skandinavischen Ländern wurden bei vollem Lohnausgleich teilweise bis zu zwei Stunden pro Tag gestrichen. Dieser 30-Stunden-Woche stehen andererseits Unternehmen in Asien gegenüber, in denen eine 80-Stunden-Woche nicht unüblich ist.

So schlecht klingt eine 40-Stunden-Woche dann doch gar nicht mehr, oder?

Unendlich Urlaub = gar kein Urlaub

Richard Branson, britischer Milliardär und Unternehmer, hat in seinem Unternehmen Urlaub ohne Antrag eingeführt. Bye bye, maximaler Urlaubsanspruch im Arbeitsvertrag – Hallo, flexible Arbeitszeiten!

Mitarbeiter dürfen so oft und so lange Urlaub nehmen, wie sie wollen. Der Haken an der Sache?

Es darf keine Arbeit liegen bleiben und Aufgaben müssen erledigt sein.

Klingt machbar, denkst du dir sicher?

Die Realität sieht anders aus:

In vergleichbaren Modellen haben die Angestellten weniger Urlaub, weil sich kaum einer traut, diesen einfach so zu nehmen.

Im schlimmsten Fall stehen tägliche Überstunden an, um den Arbeitgeber glücklich zu machen.

Selbst das großzügigste Angebot muss also nicht unbedingt das Beste sein.

Wirf doch noch einmal einen Blick unter dein Bett.

So böse sieht die 40-Stunden-Woche doch gar nicht aus.

Titelbild: Creatas Images/Thinkstock

Geschrieben von

Alexandra Quant

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