Und was willst du später mal damit machen?

Melanie Giza ist 28 Jahre alt, Diplom-Designerin, ledig und total planlos, wie so viele Hochschulabsolventen. Zu unseren Fragen über ihre Orientierungs- und Ratlosigkeit stand sie uns Rede und Antwort. 

„Und was willst du später damit machen?“ – Diese Frage hat mich Sicherheit jeder Student schon einmal von seiner Oma, dem Nachbarn oder sogar einem ganz fremden Menschen gehört. Alles, was nicht nach Lehrer oder Bankkauffrau klingt, ist prinzipiell erstmal schlecht und „nichts Richtiges“. Woran liegt das eigentlich, dass so viele Absolventen nicht wissen, wie sie ins Berufsleben starten sollen und was für Möglichkeiten sie mit ihrem Studium haben? Woher kommt dieser Rechtfertigungszwang und warum führt er Absolventen in eine echte Krise der beruflichen Orientierung? In einem Leserartikel auf Zeit Online haben wir ein Interview mit Melanie Giza gefunden, in dem sie über ihre ganz eigene Endlos-Orientierungskrise berichtet und genau diese Fragen aufwirft. Deshalb haben wir sie uns geschnappt und selbst mal ein paar Fragen gestellt.

Goodbye my lover. Goodbye my friend

Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Niederlagen – nach dem Studium werden die meisten Absolventen mit einem Schlag von der Realität eingeholt. Die Krankenkasse wird teurer, man bekommt keine finanzielle Unterstützung mehr und steht im Grunde allein vor all den Aufgaben und Problemen des Alltags.

Dazu kommt, dass viele Absolventen Angst davor haben, für Ihren Job ihre Freunde und Familie verlassen zu müssen. Auch Melanie Giza hat ein paar schwere und schmerzhafte Abschiede erlebt. Uns gibt sie einen Tipp, um mit dieser schweren Situation umzugehen: „Man muss wissen, dass woanders niemand auf einen wartet. Klingt traurig, hilft aber realistisch zu bleiben und die Erwartungen im Zaum zu halten. Was man sich zu Hause aufgebaut hat, wird es in der Form woanders wohl nicht (sofort) geben.“ Ihrer Meinung nach hilft es aber auch, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass man nicht die einzige Person ist, die für ihren Beruf umziehen muss. Schließ dich doch in der neuen Stadt einfach mit Leuten zusammen, denen es auch so geht. Somit habt ihr auf jeden Fall schon einmal eine Gemeinsamkeit und ein Gesprächsthema.

Ich dachte, aus dir wird mal was Richtiges

Bei vielen Absolventen – auch bei Melanie Giza – beginnt das tatsächliche Problem aber schon viel früher und taucht eigentlich schon vor dem Umzug auf. Denn sich für einen Job zu entscheiden ist gerade für Geisteswissenschaftler ein immer größer werdendes Problem. Es gibt uneeeeendlich viele Berufsbilder. Dabei die richtige Nische für sich selbst zu finden, ist für viele Absolventen eine kaum machbar. „Meine Eltern sind natürlich besorgt, dass aus mir nichts mehr wird. Für sie war das Studium der Garant, dass ich beruflich abgesichert bin“, so Giza.

Kein Grund zur Panik

Natürlich sind die Entscheidungen, die du nach dem Studium treffen musst, nicht ganz leicht. Es hängt ja auch nicht ganz wenig davon ab. Ganz so schwarz solltest du deine Zukunft allerdings nicht sehen. Auf die Frage, welche Schritte und Entscheidungen Melanie Giza im Nachhinein rückgängig machen würde, antwortet sie überzeugt: „Nichts. Ich habe immer alles gemacht, was ich auch wirklich wollte. Dass manche Pläne dann nicht wie erhofft aufgehen, ist in Ordnung“ – und im Grunde ist es das doch auch!

Vielen Dank für das Interview!

foto_giza

Melanie Giza (Foto) ist 28 Jahre alt und hat einen Abschluss als Diplom-Designerin.

Titelbild: http://sassifiable.com/stress-free-christmas/

Geschrieben von

Eva Friese

Dieser Blog ist ein Bestandteil von Karista.de. Zum Impressum.