Sind Tattoos im Job immer noch tabu?

Ötzi trug sie, als man ihn aus dem Eis barg und sogar in einer Passage der Bibel werden sie erwähnt. Tattoos gibt es seit Jahrtausenden. Sie waren Mitgliedszeichen für bestimmte Gruppen, sollten dem Träger Schutz gewähren, religiöse Verbundenheit anzeigen oder Straftäter brandmarken. Vor allem in der Arbeitswelt gelten Tätowierungen allerdings als Garant für Probleme mit dem Chef. Aber stimmt das noch? Kann mich mein Chef wirklich entlassen, weil ihm das Einhorn auf meinem Oberarm nicht gefällt? Wir haben die wichtigsten Fakten rund um das Thema Tätowierungen im Job für dich zusammengestellt.

„Du bist doch kein Seemann!“

Die erste, allumfassende Antwort auf die Frage, ob Tattoos und Job zusammenpassen, ist so vage wie unbefriedigend: Jaein. Es kommt – wer hätte es gedacht? – auf die Branche an, in der du arbeitest und darauf, was dein Chef sagt. Deine Hautmalereien können als Ausdruck deiner Individualität und deiner Persönlichkeit betrachtet werden. Oder, wenn du weniger Glück hast, alte Sträflings-Assoziationen hervorrufen. Jemand, der tätowiert ist, gilt dann schnell als wenig vertrauenswürdig und unseriös. Was die Sache mit dem Kundenkontakt erschweren kann.

Überhaupt ist Kundenkontakt das Stichwort beim Thema Job und Tattoo. Auf tendenziell mehr Akzeptanz stoßen Tätowierungen in der Arbeitswelt überall da, wo wenig bis kein Kundenkontakt besteht und wo man auch mit Alltagskleidung ins Büro kommt. Dich sieht ja niemand außer den Kollegen und die kennen dich und deine Qualitäten, Tattoo hin oder her. Bei einem Kunden, der dir in einer Geschäftssituation über den Weg läuft, kann das ganz anders sein.

Der Totenkopf auf meinem Arm und ich sind Ihre persönlichen Berater

Besonders in Jobs, in denen du rund um die Uhr Expertise und Seriosität ausstrahlen musst, sind Tätowierungen heikel. Es ist daher kein Mythos, dass gerade Finanzdienstleister und Großunternehmen mit internationalem Kundenstamm Bewerber ohne Körperschmuck jeglicher Art bevorzugen. Dazu gehören neben Tattoos auch Piercings. Das mag man doof finden, sollte aber bedenken, dass Tattoos nicht in allen Kulturen akzeptiert werden. Vor allem in Asien gelten Tätowierungen auch heute noch als Visitenkarte des kriminellen Milieus. Daher kann ein volltätowierter Arm unterm weißen Hemd auf Geschäftsreisen durchaus zum Problem werden.

Business-Punks erwünscht?

Die gute Nachricht für alle Tattoo-Fans: Zumindest in westlichen Gesellschaften wächst die Akzeptanz der Körperkunst. Kein Wunder, denn mittlerweile ist etwa jeder fünfte Deutsche tätowiert und natürlich bildet diese Masse an Menschen keine Horde der Arbeitslosen. Je kreativer die Branche, bzw. je moderner ihr Image, desto weniger Probleme gibt es mit Tattoos. Arbeitest du zum Beispiel in den Bereichen Sport, Mode oder dem Mediensektor, giltst du vielleicht sogar als besonders trendbewusst.

Im Vorstellungsgespräch solltest du trotzdem auf Nummer sicher gehen, unabhängig davon, wo du dich bewirbst, und deine Tätowierungen verschweigen. Wie gesagt: Wie es um die Tattoo-Toleranz deines Chefs bestellt ist, kannst du vorher nicht wissen. Er darf dir die Tinte unter der Haut zwar nicht verbieten, aber im Zweifelsfall kann er deine Bewerbung ablehnen, ohne dir den genauen Grund dafür zu nennen. Wenn du bereits angestellt bist und der Chef deine Tätowierungen erst im Nachhinein bemerkt, kann er von dir verlangen, die Bilder abzudecken. Kommst du dem nicht nach, kann er dich im Extremfall tatsächlich wegen Verstoßes gegen die Vorschriften kündigen. Das solltest du immer im Hinterkopf behalten.

Und: Hände oder Hals, also die Körperstellen, die selbst bei hochgeschlossenen Blusen und Hemden noch zu sehen sind, sollte man vor dem Karrierestart farblos lassen. Viele Studios tätowieren diese Hautflächen jenseits der Anzuggrenze schon gar nicht mehr. Zumindest nicht bei Tattoo-Fans, die jünger als 25 Jahre alt sind.

Autorin: Laura

Quelle Titelbild: FXQuadro / Shutterstockk

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Alexandra Quant

8 Kommentare

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  • Also ich finde Tattoos sind nicht mehr so tabu wie früher. Ich selbst habe ein Tattoo aus Aarau und kann sagen, dass es bisher noch niemanden gestört hat. Mein Tattoo Studio in Aarau hat damals aber auch ausgezeichnete Arbeit geleistet und ich bin heute noch am Schwärmen.

    • Hi Rafe,

      zum Glück sind Tattoos heute wirklich viel akzeptierter als früher. Toll, dass du deshalb noch nie Probleme hattest. Doch leider kommt es immer noch oft genug vor, dass Arbeitnehmer deshalb Probleme haben. Nun lassen sich aber so viele Jugendliche auch an auffälligen Stellen tätowieren – vielleicht wird die Toleranz bald noch größer! Ich hoffe darauf.

      LG von Leonie

  • Ich hoffe doch, dass sie kein Tabu sind. Ich selbst besitze zwar keines, aber finde es nicht in Ordnung, wenn wegen Äußerlichkeiten der Job verwehrt wird. Das ist für die Job Suche echt schwierig, wenn man dann beim Vorstellungsgespräch ist und einem gesagt wird, man nehme niemanden mit einem Tatoo. Solange es keine diskriminierenden oder verhetzenden Tatoos sind, sollte nichts dagegen sprechen.

    • Hallo Jana,

      das sehen wir genauso. Nur gibt es eben Branchen, die da etwas konservativer eingestellt sind. Wer also eine große Karriere bei der Bank machen möchte, sollte sich das Fingertattoo nochmal gut überlegen 😉

      LG von Leonie

  • Stehe derzeit in einer heiklen Situation.. Ich arbeite um Steuerbereich, will mir aber unbedingt mein Sternzeichen auf die linke Hand tätowieren lassen.. und etwas auf meinen linken Unterarm…
    ich bin noch am überlegen es zu machen weil man zumindest das an der Hand gar nicht verbergen kann aber das ist auch das was ich unbedingt will. Außerdem überlege ich ob ich vorher mit meinem Chef reden soll oder es einfach machen soll. Dazu muss man wissen dass ich Azubi bin und in einem Jahr sowieso nicht mehr dort arbeiten werde sondern wieder auf die Schule gehe und möglichst danach BWL studieren werde

    • Hallo Leander,

      ich bin selbst tätowiert und rate dir trotzdem: Warte mit einem Tattoo ab, bis du nach deinem Studium einen Job hast – und im Idealfall sogar etwas Berufserfahrung.

      Der Steuerbereich ist nicht gerade die Branche, die für ihre Toleranz und Offenheit in Sachen alternativem Aussehen bekannt ist. Wenn du also sicher bist, dass du unbedingt ganz schnell ein Tattoo an der Hand brauchst, sprich bitte vorher mit deinem Chef darüber, um eventuellen Ärger zu vermeiden.

      In der Schule und im Studium stellen Tattoos natürlich kein Problem dar. Wenn du später mal im Wirtschaftsbereich arbeiten möchtest, kommt es aber ganz auf deinen Arbeitgeber und das Level an, auf dem du arbeiten möchtest. Als Angestellter in einem hippen Startup oder einer kleineren Agentur ist ein Tattoo wahrscheinlich weniger problematisch als wenn du als Consultant bei einem großen Beratungsunternehmen wie PwC, EY o.ä. arbeiten möchtest.

      Tattoos an Hand und Unterarm sind derzeit sehr im Trend und womöglich/hoffentlich wird die gesellschaftliche Toleranz Tattoos gegenüber mit der Zeit noch größer. Dennoch kann ich dir wirklich nur raten: Tätowiere dich lieber an besser verdeckbaren Stellen, bevor du in 10 Jahren dann wegen eines Handtattoos deinen Traumjob nicht bekommst oder auch im heißesten Hochsommer nicht deine Ärmel hochkrempeln kannst, weil man sonst dein Unterarmtattoo sieht.

      Falls du noch Fragen dazu hast, schreib mich gerne an 🙂
      LG von Leonie

  • Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen mit uns teilen. Danke dafür.
    Gruß Sina

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