Wann und für wen lohnt sie sich? Die Steuererklärung

Als Berufsanfänger ist man nicht nur neu im Job, sondern oft auch neu in allen Bereichen, die mit einem geregelten Einkommen in Verbindung stehen. Wie Steuererklärungen zum Beispiel. Deine Steuern werden dir jeden Monat automatisch vom Gehalt abgezogen – aber du hast durchaus die Möglichkeit, von all diesem Geld noch einiges zurückzubekommen. Gerade für Berufseinsteiger, die frisch von der Uni kommen, lohnt sich eine Steuererklärung häufig aus genau diesem Grund. Wann du dir den 31. Mai rot im Kalender anstreichen solltest, verraten wir dir heute in unserem Blog.

Die Steuererklärung – das ewige Mysterium

Am 31. Mai ist klassischerweise Stichtag. Zu diesem Datum ist nämlich die jährliche Steuererklärung fällig – ein Termin, dem wahrscheinlich kaum ein Arbeitnehmer freudig entgegenfiebert. Denn der Brief an das Finanzamt bedeutet in den meisten Fällen jede Menge Papierkram und jede Menge Ratlosigkeit. Da liegt die Frage „Muss ich eigentlich ..?“ oft ganz nah neben der bequemen Ausrede: „Och nö, ich krieg‘ ja eh nichts zurück.“ Das stimmt aber in den meisten Fällen nicht. Gerade Jobeinsteiger können finanziell oft richtig von der Steuererstattung profitieren. Und das Beste: Man kann die ungeliebte Steuererklärung rückwirkend für das Studium auf einen Rutsch erledigen – sofern die Verjährungsfrist von sieben Jahren (für’s Studium only!) noch nicht abgelaufen ist. Normalerweise beträgt diese Frist vier Jahre.

Rosige Zeiten für Studenten?

Das Studentenleben kann finanziell ein ganz schönes Verlustgeschäft sein. Man hat hohe Ausgaben für Bücher, Sozialbeiträge, Nachhilfe oder den Zugang zur Bibliothek und verdient gleichzeitig meist nicht besonders viel. Bisher können nur die Studenten, die vor ihrem Bachelorstudium eine berufliche Erstausbildung gemacht haben, sogenannte Werbungskosten von der Steuer absetzen. Werbungskosten sind die Kosten, die rund ums Studium oder den Job anfallen: Zum Beispiel Fahrtkosten, Materialkosten oder Bewerbungskosten.

Aber auch für diejenigen, die direkt von der Schule an die Uni wechseln – die „echten“ Erstis quasi – ist Hoffnung in Sicht. 2014 hat der Bundesfinanzhof (BFH) nämlich beschlossen, dass die steuerliche Benachteiligung dieser echten Erstsemesterstudenten verfassungswidrig ist. Die endgültige Entscheidung liegt aktuell beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) und wird nicht vor 2016 erwartet. Bestätigt das BVerfG das Urteil des BFH, wären alle Studienkosten – unabhängig von einer Erstausbildung – als Werbungskosten anzuerkennen und gegebenenfalls als Verluste beim Finanzamt vortragbar. Jeder Student könnte dann, bis zu sieben Jahre rückwirkend, seine studienbedingten Ausgaben vom Fiskus zurückfordern.

Berufseinstieg mit guten Aussichten

Abgesehen von den Werbungskosten für das Studium, die du als Berufseinsteiger vielleicht zurückgezahlt bekommst, gibt es auch im Jahr nach dem Sprung ins Arbeitsleben Steuern zurück. Wer mitten im Jahr einen Job anfängt, bekommt schon allein wegen der Gestaltung des Lohnsteuertarifs eine Erstattung. Dieser Tarif geht nämlich davon aus, dass man sein Monatsgehalt über das komplette Jahr hinweg ausgezahlt bekommt – was ja nicht der Fall ist, wenn du zum Beispiel im Juni oder im September in deiner Firma anfängst. Der Grundfreibetrag für alleinstehende Arbeitnehmer liegt aktuell bei 8354 Euro und wird auf das ganze Jahr angerechnet. Diesen Betrag darf jeder Arbeitnehmer verdienen, ohne dass darauf Steuern anfallen.

Für Berufsanfänger besonders interessant: Auch Bewerbungs-, Umzugs- und Fortbildungskosten kannst du von der Steuer absetzen. Am besten, du sammelst solche Belege schon während des Jahres und bewahrst sie sorgfältig auf. Ab 2016 musst du deiner Steuererklärung zwar voraussichtlich keine Kopien dieser Belege mehr beilegen, es kann aber natürlich sein, dass das Finanzamt bei besonders hohen Beträgen doch noch einmal auf dich zukommt. Also: Lohnsteuerbescheinigungen, Steuerbescheinigungen von Banken, Belege für Werbungskosten, Bescheinigungen der Versicherungen über geleistete Beiträge und Zahlungsnachweise für Handwerkerleistungen immer gut aufbewahren!

Wann lohnt sich die Steuererklärung nicht?

Wer während des kompletten Jahres – also von Januar bis Dezember – zum gleichen Gehalt arbeitet, im Rahmen der sogenannten Werbungskostenpauschale von 1000 Euro im Jahr bleibt und keine weiteren absetzbaren Kosten in der Hinterhand hat, der muss sich die Mühe einer Steuererklärung nicht unbedingt machen. Auch Studenten, die weniger als 450 Euro im Monat verdienen, können sich die Steuererklärung schenken: Sie gelten vor dem Finanzamt als jemand, der keine Einnahmen hat. Für alle anderen gilt: Ran an die Steuererklärung. Es lohnt sich! Weitere Infos zum Thema findest du übrigens in unserem Leitfaden zur Steuererklärung.

Geschrieben von

Laura Zink

4 Kommentare

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  • Zur weiteren Verdeutlichung: Der Gesetzgeber unterscheidet im Rahmen der Einkommensteuer-Veranlagung grundsätzlich zwischen einer Pflicht- und einer Antragsveranlagung. Letztere wurde früher „Lohnsteuerjahresausgleich“ genannt.

    Nun gibt es Steuerpflichtige, die verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, weil sie bestimmte Kriterien erfüllen (Erläuterung würde hier zu weit führen).

    Vor allem Arbeitnehmer, deren Einkünfte nur dem Lohnsteuerabzug unterliegen und die bestimmte weitere Voraussetzungen erfüllen, MÜSSEN aber gar nicht abgeben. Sie KÖNNEN FREIWILLIG abgeben – eine Veranlagung wird also nur auf deren Antrag hin durchgeführt = Antragsveranlagung. Seit Änderung durch das Jahressteuergesetz 2008 ist diese freiwillige Form der Abgabe einer Steuererklärung zumindest innerhalb der vierjährigen Festsetzungsfrist möglich.

    Dabei kann Euer obiger Tipp für Studierende und Azubis Gold wert sein: Wer bspw. erst Mitte des Jahres beruflich einsteigt und vorher studiert oder lediglich eine Ausbildungsvergütung bekommen hat, sollte auf jeden Fall einmal seine Einkommensteuer selbst durchrechnen, weil in solchen Konstellationen oft eine Erstattung zu erwarten sein dürfte.

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