Graue Haare und chinesische Bräute – 10 Skurrile Kündigungsgründe

Mangelhafte Arbeitsleistung, Diebstahl von Betriebseigentum – es gibt manche Gründe, warum ein Arbeitgeber einen langjährigen Mitarbeiter plötzlich vor die Tür setzen darf. Und dann gibt es da noch die sogenannten Bagatelldelikte, scheinbar kleine Vergehen, die schon mal in einer fristlosen Kündigung enden können. Und den Arbeitsgerichten damit immer wieder Kopfzerbrechen bescheren. Ist der Verzehr einer übrig gebliebenen Maultasche schon Diebstahl? Wie oft darf ein Mitarbeiter aufs Klo rennen? Und was ist, wenn man das Alter der Freundin des Chefs falsch einschätzt? Im heutigen Blog präsentieren wir euch zehn skurrile Kündigungsgründe und verraten euch, wie die Sache jeweils ausgegangen ist.

1. Jesus rettet! Manchmal aber auch nicht.

Ein 29-jähriger Call-Center-Mitarbeiter verabschiedete sich am Telefon regelmäßig mit den Worten: „Vielen Dank für den Einkauf. Jesus hat Sie lieb.“ Sein Arbeitgeber kündigte ihm daraufhin, schließlich dürfe ein Angestellter den Anrufern nicht mit seinen religiösen Ansichten auf die Nerven gehen. Das Landesarbeitsgericht Hamm stimmte dem zu. Der tiefgläubige Kläger konnte nämlich nicht nachweisen, dass er in große seelische Schwierigkeiten geraten wäre, wenn er im Job auf diese Worte hätte verzichten müssen. Jesus selbst war für eine Stellungnahme indes nicht zu erreichen, daher wissen wir nicht, ob er tatsächlich alle Anrufer lieb hatte.

2. Die Maultaschen-Affäre

In einem Altenheim in Konstanz blieben am Ende eines Tages sechs Maultaschen vom Mittagessen übrigen. „Zu schade für den Müll“, dachte sich eine der Pflegerinnen, verputzte die Maultaschen – und wurde nach 17 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt. Die gewissenhafte Dame klagte aber und bekam eine Abfindung von über 40.000 Euro zugesprochen. Der Richter erkannte nämlich, dass dem Altenheim kein materieller Schaden entstanden sei. Stattdessen wurde sogar die Abfallmenge reduziert – und wer freut sich nicht über weniger Müll?

3. Das Bettchen auf dem Müll

„Zu schade für den Müll“, dachte sich auch ein Müllmann aus Mannheim, der in einem Container auf dem Firmengelände ein ausrangiertes, aber völlig intaktes Kinderbett fand. Er nahm das Bettchen für seine Tochter mit und wurde daraufhin wegen Diebstahls fristlos entlassen. Die Kündigung wurde aber in zwei Instanzen für unwirksam erklärt. Die Rettung des Kinderbettes sei zwar ein Pflichtverstoß, aber lange noch kein Kündigungsgrund

4. Der Segway-Flitzer

Ein Computerfachmann wurde im Siegerland gefeuert, weil er den Akku seines Elektrorollers im Büro aufgeladen hatte. Stolze 1,8 Cent an Stromkosten hatte er so verursacht, der Schuft. Doch auch der Segway-Flitzer konnte erfolgreich klagen, die Kündigung wurde vom Arbeitsgericht und auch vom Landesarbeitsgericht für unwirksam erklärt. Allerdings musste er sich fortan an die Betriebsbedingungen halten und sein Gefährt woanders aufladen. Zu viel Power tut den Dingern aber ohnehin nicht gut…

5. Die große Pinkelpause

Der eine lädt zu viel auf, der andere entlädt sich zu viel. In Köln klagte ein Anwalt, der entlassen worden war, weil er zu häufig das stille Örtchen aufgesucht hatte. Sein Arbeitgeber hatte über die Toilettengänge nämlich Protokoll geführt. Und kam nach zweieinhalb Wochen auf ganze 384 Minuten auf dem Lokus. Zu viel, fand der Arbeitgeber – nicht aber das Arbeitsgericht, denn dort bekam der Anwalt Recht. Wie häufig er während der Verhandlung aufs Klo musste, ist derweil nicht bekannt.

6. Der verhängnisvolle Brotaufstrich

Wenn man schon so nah an der Quelle sitzt: Zwei Bäckern aus Bergkamen wurde fristlos gekündigt, weil sie ihre Frühstücksbrötchen mit einem leckeren Kräuter-Aufstrich aus dem Eigentum der Bäckerei veredelt hatten. Einer der beiden bekam mit seiner Klage bereits Recht und muss weiterbeschäftigt werden. Allerdings aus formalen Gründen: Der Bäcker war Betriebsratsmitglied, und bei der Kündigung eines solchen muss der Betriebsrat gehört werden und zustimmen. Der „Diebstahl“ selbst wurde also gar nicht erst in die Verhandlung miteinbezogen. Der Bäckerei schmeckte das natürlich gar nicht.

7. 52 Jahr, graues Haar

In den USA wurde eine 52-jährige Bereichsleiterin nach sechs Jahren bei einem Immobilienunternehmen gekündigt, weil sie sich weigerte, ihre grauen Haare zu färben. Ihr Vorgesetzter wollte seinem Unternehmen nämlich ein jugendliches Image verpassen, und da störte ihn das ergraute Haupt. Die Mitarbeiterin weigerte sich aber gegen diese Zwangsverjüngungskur – und wurde prompt durch eine zehn Jahre jüngere Arbeitskollegin ersetzt. Derweil klagt sie wegen Diskriminierung. Auf jeden Fall werden die grauen Haare in absehbarer Zeit nicht weniger.

8. Die Freundin des Chefs

Das mit dem Alter scheint ein heikles Thema zu sein: Eine 19-jährige Auszubildende schätzt das Alter der Freundin ihres Chefs auf 40 Jahre. In Wirklichkeit war diese aber erst süße 31. Der Chef und seine Herzensdame fühlten sich beleidigt und kündigten der jungen Frau. Vor dem Arbeitsgericht Mannheim nahm der Arbeitgeber die fristlose Kündigung aber zurück, kündigte stattdessen fristgerecht und zahlte der Auszubildenden die noch ausstehende Ausbildungsvergütung von 300 Euro. Dabei wollte seine Freundin von dem Geld eigentlich zum Friseur gehen und die Haare nachfärben, um solche Missverständnisse demnächst zu vermeiden.

9. Die chinesische Braut

Ein 47-jähriger Ingenieur wurde von seiner Arbeitgeberin vor die Tür gesetzt, weil er vorhatte, eine Chinesin zu heiraten. Die Arbeitgeberin hatte nämlich Angst vor Industriespionage und befürchtete, der Ingenieur sei durch seine Ehefrau und die familiären Beziehungen zu China ein Sicherheitsrisiko. Das Landesarbeitsgericht wies die Klage aber ab. Der Ingenieur sagte trotzdem „Zài Jiàn!“ – und bekam eine Abfindung von sieben Monatsgehältern.

10. Der schlechtgelaunte Busfahrer

Den Chef im Affekt zu beleidigen reicht mittlerweile kaum noch aus, um fristlos gekündigt zu werden. Wer aber einem Kunden gegenüber ausfallend wird, der hat schlechte Karten. Weil ein Bochumer Bus mit deutlicher Verspätung eintrudelte, fragte ein Fahrgast den Busfahrer nach dem Grund der langen Wartezeit. Doch scheinbar hatte der Busfahrer nicht gerade seinen besten Tag hinter sich. Als Antwort auf die Frage rammt er dem Fahrgast die Tür der Fahrerkabine gegen das Bein und drohte zusätzlich noch ein paar Schläge an. Auch eine Art, als Busfahrer vollen Einsatz zu zeigen.

Bildquelle: www.thinkstockphotos.de

Geschrieben von

Björn Remiszewski

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