Ein ganzes Jahr Urlaub? Das Sabbatical macht’s möglich!

Endlich Urlaub. Erst einmal eine Weile faulenzen, dann für ein paar Tage ans Meer, anschließend mit den Freunden um die Häuser ziehen, und danach endlich – Was? Die zwei Wochen sind schon wieder rum? Verdammt. Mal ehrlich, wie erholt kann man sich nach einem Urlaub schon fühlen, der in der Regel maximal zwei bis drei Wochen dauert? Um so richtig abzuschalten, ist das viel zu kurz. Wie wäre es denn mal mit einer mehrmonatigen Auszeit? Vielleicht sogar ein ganzes Jahr? Und das auch noch bezahlt! Das Sabbatical oder auch Sabbatjahr macht’s möglich. Was es damit auf sich hat, das erfährt ihr heute im Blog.

Mach doch, was du willst!

Es gibt tausend gute Gründe, um sich mal eine Weile aus dem Job zu verabschieden: um eine Weltreise zu machen, einfach mal den Akku aufzuladen oder einen Roman zu schreiben. Das Prinzip beim Sabbatical ist dabei ganz einfach: Du nimmst dir in Absprache mit deinem Arbeitgeber eine befristete Auszeit, bekommst in dieser Zeit weiterhin Gehalt und kehrst anschließend wieder an deinen angestammten Arbeitsplatz zurück. Drei bis zwölf Monate dauert so ein Sabbatical in der Regel.

Überstunden sammeln oder auf Gehalt verzichten

Natürlich schenkt man dir nicht einfach so deine bezahlte Auszeit. Okay, du könntest dir auch einfach unbezahlten Urlaub nehmen. Aber dann fehlt dir im Sabbatical nicht nur ein Einkommen, du musst dich auch noch selbst um die Renten- und Krankenversicherung kümmern. Daher solltest du gucken, dass du in deiner Schaffenspause weiterhin dein Gehalt bekommst.

Dafür hast du zwei Möglichkeiten: Zum einen kannst du nicht genommene Urlaubstage und gesammelte Überstunden auf ein Arbeitszeitkonto packen, und dann brauchst du dieses Zeitguthaben für dein Sabbatical auf. Oder du verzichtest vorübergehend auf einen Teil deines Gehaltes. Du arbeitest zum Beispiel 40 Stunden pro Woche, bekommst aber nur eine 30-Stunden-Woche bezahlt. Der Rest wandert auf ein spezielles Konto, und von dem wird dir dann der Lohn im Sabbatical bezahlt. Außerdem zahlt dein Arbeitgeber auch weiterhin alle Sozialversicherungsbeiträge. Das dir zustehende Gehalt solltest du aber unbedingt gegen Insolvenz absichern. Wär schon blöd, wenn dein Arbeitgeber während deines Sabbaticals pleitegeht und du mit leeren Händen dastehst, oder?

pleite

Motivationsschub für dich, Imagepolitur für den Arbeitgeber

Lange galt ein Sabbatical als Karrierekiller. Wer eine Auszeit wollte, dem wurde schnell nachgesagt, er sei faul oder möge seinen Job nicht. Mittlerweile haben Arbeitgeber aber ein anderes Bild: Die Mitarbeiter kehren mit neuen Kräften und hochmotiviert zurück, und das Unternehmen darf sich mit einem offenen und modernen Image brüsten.

Einen arbeitsrechtlichen Anspruch auf das Sabbatical hast du in der Regel allerdings nicht. Nur manchen Berufsgruppen, zum Beispiel einigen Beamten, wird so ein Recht auf Auszeit im Arbeitsvertrag zugesichert. Daher gilt es in den meisten Fällen, deinen Arbeitgeber zu überzeugen. Erkläre ihm offen und ehrlich, was deine Beweggründe sind, und mach ihm dabei gleich deutlich, wie das Unternehmen von deiner Auszeit profitiert. Das muss nicht nur deine neue Frische sein, vielleicht hast du ja auch vor, den MBA zu machen oder eine Fremdsprache zu lernen? Außerdem solltest du, wenn du deine Pläne offenbarst, gleich ein paar Ideen parat haben, wie dein Fehlen aufgefangen werden soll: Wer vertritt dich, an wen können deine Aufgaben verteilt werden? Sag deinem Chef außerdem mindestens anderthalb Jahre vorher Bescheid. Und nicht zuletzt solltest du dir einen guten Zeitpunkt für dein Sabbatical aussuchen. Das kann zum Beispiel sein, wenn du gerade ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen hast.

Vertrauen ist gut, Vertrag ist besser

Stimmt dein Arbeitgeber deinem Vorhaben zu, dann solltest du alles, was ihr besprecht und abmacht, schriftlich festhalten: Bekommst du auch weiterhin Jahresurlaub und Weihnachtsgeld? Welche Aufgaben und welche Position werden dir nach deiner Rückkehr zugeteilt? Musst du in Ausnahmefällen auch im Sabbatical erreichbar sein? Genauso wichtig ist es, eine Abfindungsvereinbarung zu treffen, für den Fall, dass es bei deiner Rückkehr ins Unternehmen doch zu Unstimmigkeiten kommt.

Alles andere als eine Schnapsidee

Damit dein Sabbatical auch den gewünschten Effekt hat, muss es sorgfältig geplant werden. Zuerst einmal brauchst du eine klare Vorstellung davon, wie lange es dauern soll und was du mit deiner Zeit anstellen möchtest. Du brauchst außerdem einen klaren Plan über deine Ausgaben und Einnahmen. Mehr Freizeit bedeutet mehr Zeit zum Geldausgeben, gerade wenn du viel unterwegs bist. Außerdem kann es nicht schaden, mal mit anderen Aussteigern zu reden oder Erfahrungsberichte zu lesen. Daneben solltest du natürlich deine Freunde und deine Familie in deine Planung miteinbeziehen: Macht irgendwer bei deinem Projekt mit, welche Bedenken gibt es? Wer kümmert sich um deine Haustiere, falls du mal länger am Stück weg bist? Vielleicht macht es auch Sinn, deine Wohnung zur Zwischenmiete freizugeben. Und wie sieht’s eigentlich mit einer Auslandskrankenversicherung aus? So ein Sabbatical ist auf jeden Fall nichts, was man mal eben so in Bierlaune beschließt und dann Hals über Kopf durchzieht.

The Times They Are A-Changin‘

Bevor du dich für ein Sabbatical entscheidest, solltest du dir klarmachen, dass es dich verändern wird. Wie diese Veränderung aussieht, das wird sich zeigen, aber dass es zu einer Veränderung kommt, das ist gewiss. Und mit diesem Gedanken solltest du dich vorab anfreunden, damit er dich später nicht überrumpelt. Du könntest zum Beispiel plötzlich merken, dass du etwas ganz anderes vom Leben erwartest und deinen Job kündigen willst. Auch dein Wiedereinstieg in deinen 9-to-5-Alltag könnte dir nach monatelanger Freiheit schwer fallen.

Genauso gut kann sich aber auch herausstellen, dass dein Traum gar nicht so traumhaft ist. Wenn du deine langersehnte Weltreise nach wenigen Wochen moskitozerstochen und voller Heimweh abbrichst, dann merkst du vielleicht erst, wie heimatverbunden du eigentlich bist. Vielleicht merkst du nach zwei Wochen auf der Couch, in denen du das komplette Fernsehvormittagsprogramm auswendig gelernt hast, wie sehr du eigentlich diesen Rhythmus aus früh schlafen gehen, früh aufstehen und zur Arbeit pilgern brauchst. Schlafstörungen, Langeweile, Unterforderung – du wärst nicht der erste Aussteiger, der Schiffbruch erleidet. Aber hey, dafür weißt du zwei Wochen Urlaub dann wieder zu schätzen – egal, wie schnell sie auch vorbeigehen mögen.

Titelbildquelle: Thinkstock|Plustwentyseven

Bildquelle: Thinkstock|Fotoatelie

Geschrieben von

Björn Remiszewski

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