Wie Mann es macht, macht Mann es falsch – von Männern und Rollenklischees

Frauen, die Karriere machen wollen, haben es schwer. Zumindest schwerer als Männer. Sie bekommen für die gleiche Arbeit im Schnitt weniger Gehalt und schon allein die Tatsache, dass die ehrgeizige Frau, die im Job erfolgreich sein möchte, eine eigene Bezeichnung braucht („Karrierefrau“) kennzeichnet sie als Kuriosum. Die Frau hinter den Herd, der Mann hinter den Schreibtisch – offiziell ist die Rollenverteilung eigentlich nicht mehr so starr. Tatsächlich hat sich in der Arbeitswelt einiges getan – aber Ungleichheiten sind immer noch zahlreich vorhanden. Und zwar auf beiden Seiten – für Frauen und für Männer.

Achtung, Pulverfass!

Wann immer das Thema Gender in einem Zeitungsartikel, einem Blog- oder einem TV-Beitrag aufgegriffen wird, spalten sich die Kommentare der Leser, beziehungsweise Zuschauer in zwei Lager. Auf der einen Seite diejenigen, die über das „Patriarchat“ schimpfen, auf der anderen diejenigen, die über „Emanzen“ wettern und argumentieren, das klassische Rollenbild sei nun einmal auf die Biologie des Menschen zurückzuführen.

Fakt scheint zu sein: Wann immer jemand eine Rolle einnimmt, die eigentlich einem Personenkreis zugeschrieben wird, zu dem diese Person nicht gehört, wird es schwierig. Dabei stellt sich die Frage: Wer definiert das alles eigentlich? Sorgt unser biologisches Geschlecht (das sich logischerweise niemand aussuchen kann) tatsächlich dafür, dass Mädchen schlecht in Mathe und Jungs die geborenen Leader sind? Und selbst wenn das so wäre: Wo liegt das Problem, wenn jemand aus diesem Muster ausbrechen will? Kann das nicht auch Vorteile haben?

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Muttertier, Mutterinstinkt, Rabenmutter – und wo bleiben die Väter?

Festgeschriebene Rollenbilder machen auch vor Männern nicht Halt. Und sie machen ihnen genauso das Leben schwer, wie es bei Frauen der Fall ist. Nehmen wir das Beispiel Männer und Familie: Das Rollenklischee sieht immer noch die Frau als Hauptverantwortliche, wann immer es um den Nachwuchs geht. Die Väter bleiben in der Diskussion um Karriereknick, beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit und Teilzeitarbeit oft außen vor. Dabei sind sie von diesen Themen genauso betroffen wie Mütter – nur auf eine andere Weise.

Da liest man von Chefs, die mit Kündigung drohen, wenn der Kollege, Vater von zwei kleinen Kindern, frühzeitig das Meeting verlässt, weil die Tochter erkrankt ist. Und von dem anschließenden Vorwurf, warum er sich denn so viel um seine Kinder kümmere – er habe doch schließlich eine Frau. Oder von der Chefin, die extra (!) zwei Männer einstellt, weil sie davon ausgeht, dass nur Frauen in Elternzeit gehen und im Job aussetzen. Und dann in Planungsnot gerät, weil beide Väter ihr Recht auf Elternzeit einfordern. Man liest von Vätern, die sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, sie seien „Weicheier“, weil sie Zuhause die „Frauenrolle“ einnehmen möchten.

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Diskriminierungen wirken oft in zwei Richtungen

In der Diskriminierungsdebatte wird oft ausgeblendet, dass dort, wo ein Geschlecht diskriminiert wird, es dem anderen umgekehrt nicht besser ergeht. Ein Mann, der gern ein ganzes Jahr Elternzeit nehmen möchte und es nicht kann, weil mehr als zwei Monate Elternzeit für Väter in seiner Firma nicht vorgesehen sind, wird darunter genauso leiden wie eine Frau, die bald nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten gehen möchte und aus wirtschaftlichen Gründen zu Hause bleiben muss. Weil ihr Mann, der die Kinderbetreuung gern übernehmen würde, mehr verdient und die Familie auf das Geld angewiesen ist.

Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass zwar immer mehr Väter (etwa 20,7%) Elternzeit beantragen, diese aber selten länger als zwei Monate in Anspruch nehmen. Zwölf Monate Elternzeit nehmen nur etwa 7% der Väter – der Prozentsatz der Mütter, die insgesamt Elternzeit beantragen, liegt dagegen bei satten 95%. Vor allem in Westdeutschland steigen Frauen deutlich öfter und länger aus dem Job aus, um bei den Kindern zu Hause zu bleiben.

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Auf die Frage, warum sie nur so kurzzeitig eine Pause im Job machen, um sich um den Nachwuchs zu kümmern, geben viele Väter den gleichen Grund an, den auch viele Frauen zu Genüge kennen: Angst vor dem Karriereknick, ein wenig begeisterter Chef oder Angst um die hart erarbeitete Führungsposition. Väter und Mütter teilen also in vielerlei Hinsicht die gleichen Befürchtungen – und trotzdem scheint die Solidarität untereinander einigermaßen gering zu sein.

Warum eigentlich nicht gleich?

Es stellt sich die Frage: Warum ist das alles so und was könnte man gegen diese Ungleichverteilung, die weder Mann noch Frau zugute kommt, tun? Kann man etwas tun? Klar ist nur: Langfristig muss sich etwas ändern, an dieser Form der doppelten Diskriminierung. Auf der einen Seite der Mann, dem das Vatersein angekreidet wird. Auf der anderen Seite die Frau, die doch per definitionem zu Hause zu bleiben habe. Die individuelle Arbeitsteilung eines individuellen Paares zerschellt noch zu oft an den gesellschaftlich vorgegebenen Rollenbildern. Und beide – Mann wie Frau – leiden darunter und schwimmen Ansprüchen hinterher, die vielleicht gar nicht ihre eigenen sind. Anstatt sich gemeinsam in der Mitte zu treffen.

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Bildquelle: Karsten Seiferlin

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Geschrieben von

Laura Zink

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