Hartz IV und Arbeitslosengeld – was ist das eigentlich genau?

Es sitzt fest in den meisten Köpfen und hält sich dort hartnäckiger als so manche Nasennebenhöhlenentzündung: Das Vorurteil, Arbeitslose seien irgendwie selbst schuld an ihrer Misere. Entweder sind sie nicht qualifiziert, oder sie hängen den ganzen Tag in Jogginghose auf der Couch, statt sich einen Job zu suchen. Needless to say, dass diese Vorurteile bitterböse sind und meist nicht der Wahrheit entsprechen. Unter den Arbeitslosen, die jeden Monat Arbeitslosengeld II beziehen, sind überraschend oft Absolventen, die das Gütesiegel „hervorragend ausgebildet“ tragen. Und gerade die schämen sich dafür, wenn plötzlich der Stempel „Hartz IV“ dazukommt. Aber was darfst du überhaupt beantragen? Und was sind die Unterschiede zwischen Hartz IV und Arbeitslosengeld?

Die Scham ist groß

Viele Studenten melden sich nach ihrem Abschluss erst gar nicht beim Arbeitsamt. Oft, weil sie lieber auf eigene Faust versuchen wollen, einen Job zu finden. In der Hoffnung, dass bald die feste Stelle winkt und man das Kapitel der Arbeitslosigkeit schnell schließen kann. Damit es in der persönlichen Erfolgsbiografie erst gar nicht auftaucht. Das ist natürlich löblich, und unser Jobnavigator und unsere Stellenanzeigen helfen dir tatkräftig dabei.

Wenn der Uniabschluss absehbar, der Anschluss daran aber noch unklar ist, macht es trotz Scham Sinn, der Bundesagentur für Arbeit einen Besuch abzustatten. Allein schon, damit du weiterhin kranken- und pflegeversichert bist. Nach § 38 SGB III bist du dazu verpflichtet, dich spätestens drei Monate vor Ende deines Studiums arbeitssuchend zu melden, wenn du noch nicht weißt, wie es danach weitergehen soll. Meldest du dich zu spät, wird eine schriftliche Begründung verlangt. Im Worst Case kann es passieren, dass deine Bezüge für einen bestimmten Zeitraum heruntergesetzt oder ganz gesperrt werden.

Was steht mir zu?

Die Leistungen, auf die du als Arbeitssuchender nach deinem Uniabschluss Anspruch hast, sind in den verschiedenen Sozialgesetzbüchern geregelt und davon abhängig, ob und wie lange du bereits sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast. Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I) hast du nämlich nur dann, wenn du mindestens zwölf Monate lang Beiträge von deinem Gehalt in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast. Um es in Amtssprache zu sagen: Nach dieser Zeitspanne hast du die Anwartschaftszeit erfüllt. Weil ein Monat dieser Anwartschaftszeit der Einfachheit halber mit 30 Tagen berechnet wird, ist die genaugenommen „nur“ 360 Tage lang.

Im Dritten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB III) ist festgelegt, wie sich das Arbeitslosengeld genau berechnet. Dieses Arbeitslosengeld wird zur Abgrenzung vom Arbeitslosengeld II meist als Arbeitslosengeld I bezeichnet. Die Höhe vom ALG I richtet sich dabei nach dem Betrag, den du während der Anwartschaftszeit durchschnittlich brutto am Tag verdient hast. Davon werden dann noch Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag abgezogen.

Arbeitslosengeld bekommst du für ein Jahr. Hast du nach dieser Frist noch keinen neuen Job gefunden, rutschst du automatisch ins Arbeitslosengeld II. Besser bekannt als Hartz IV.

Arbeitslosengeld II

Wer frisch von der Uni kommt, hat zwar häufig nebenher gejobbt, um sich das Studentenleben finanzieren zu können, aber in den seltensten Fällen lang genug oder überhaupt in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt.

Als Student bist du für eine Menge Jobs von der Sozialversicherungspflicht befreit – das ist während der Studienzeit ziemlich cool, weil du viele Abgaben, die ein normaler Arbeitnehmer zahlen muss, nicht hast. Das führt aber nach dem Studium oft sofort ins Arbeitslosengeld II. ALG II, bzw. „Hartz IV“ bezeichnet, wenn man es ganz genau nimmt, die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II). Das klingt ein bisschen umständlich, soll dir aber ein gerade noch menschenwürdiges Dasein finanzieren.

Wer ALG II beziehen darf, ist in § 7 SGB II genau geregelt: Du musst erwerbsfähig und mindestens 15 Jahre alt sein. Und dein Lebensmittelpunkt muss sich in Deutschland befinden. Erwerbsfähig bist du in dem Moment, in dem du in der Lage bist, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten.

Seit 2010 soll der Hartz IV-Regelsatz an die Preis- und Nettolohnentwicklung angepasst werden, damit die Empfänger zumindest ihr Existenzminimum sichern können. Auch Unterkunft und eine angemessen teure Wohnung werden dir bezahlt, sofern du älter als 25 bist. Für Alleinstehende beträgt der ALG II-Regelsatz seit dem 01.01.2015 399 Euro im Monat. Partner in sogenannten Bedarfsgemeinschaften bekommen monatlich 360 Euro überwiesen.

Allzeit bereit

Grundsätzlich gilt, ganz egal, ob du nun Anspruch auf Arbeitslosengeld (also ALG I) oder „Hartz IV“ hast: Die Bundesagentur für Arbeit möchte Beweise dafür sehen, dass du dich um einen Job bemühst. Hast du z.B. die Auflage, pro Woche 20 Bewerbungen zu schreiben oder an einer Maßnahme teilzunehmen, die dir beibringen soll, wie man MS Office benutzt, dann darfst du im Geheimen mit den Zähnen knirschen, solltest dich aber fügen. Tust du das nicht, drohen erneut Sperren oder Kürzungen deiner Bezüge.

Mach dich trotzdem nicht selbst verrückt. Statistiken zeigen, dass die meisten Akademiker ein Jahr nach ihrem Abschluss einen Job haben.

Bildquelle Titelbild: sling@flickr

Geschrieben von

Laura Zink

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