Von gutem Timing und schlechten Zeitpunkten

„Wenn du auf den richtigen Moment gewartet hast – das war er!“ Diese Szene aus dem Hollywood-Blockbuster Pirates of the Caribbean findet sich tausendfach im Liebesfilm-Genre wieder. Man könnte fast sagen, die gesamte Schnulzenindustrie lebt nur von ihm: Dem schlechten Zeitpunkt und dem unglücklichen Timing. Aber während im Film natürlich am Ende alles gut ausgeht – obwohl Heldin und Held allen guten Vorzeichen zum Trotz die ganze Zeit reichlich gefühlsblind aneinander vorbeigestolpert sind – ist das im Leben leider nicht garantiert. Wer im Büro ständig ein schlechtes Timing an den Tag legt, der verbaut sich damit schnell so einige Karrierechancen. Und dann gibt es Veränderungen im Leben, die so groß sind, dass es einfach keinen richtigen Zeitpunkt gibt, um sie zu verkünden.

Gutes Timing bedeutet zum einen, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Ob nun der Chef am Tag deiner Gehaltsverhandlung außergewöhnlich gute Laune hat, oder ob du in der Kaffeeküche zufällig mit dem neuen Kollegen ins Gespräch kommst, der jemanden kennt, der dir beim Umzug helfen kann – oft hat der richtige Zeitpunkt etwas mit Glück zu tun. Aber nicht immer.

Die Gunst der Stunde

Wer die Gunst der Stunde nutzen will, der sollte gut im Voraus planen. Denn einem guten Timing geht oft genug sorgfältige Planung voraus. Wenn du dich also schon mal gefragt hast, wie diese eine Kollegin es jedes Mal schafft, im Teammeeting die besten Ideen auf den Punkt zu präsentieren, dann steckt dahinter mit Sicherheit kein Hexenwerk und auch kein sechster Sinn. Sondern einfach nur ein guter Plan, ein wenig Geduld und eben ein Gefühl für das richtige Timing.

In einem Meeting geht es vor allem zu Beginn oft heiß her. Jeder will seinen Vorschlag als erstes auf den Tisch legen, um Kreativität und Zielstrebigkeit unter Beweis zu stellen. Frei nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. In der Realität kann es sich allerdings lohnen, erst einmal abzuwarten. Haben deine Kollegen ihr Pulver nämlich verschossen und sind müde von der Diskussion, packst du deinen eigenen Vorschlag (den du natürlich sorgfältig ausgearbeitet hast) auf den Tisch und erklärst ihn mit klaren, knappen Worten. Erwischst du hier den richtigen Zeitpunkt, stehen die Chancen ziemlich gut, dass deine Geduld sich auszahlt und dein Konzept am besten ankommt.

Das richtige Tempo

Im Jahr 1962 stellte sich eine kleine Band bei verschiedenen Plattenfirmen vor und wurde überall abgewiesen. Gitarrenmusik sei nicht modern und mit ihren Songs würden sie keine Erfolge feiern, war der Tenor. Die vier Jungs blieben beharrlich am Ball und bekamen nach einer langen Phase des Klinkenputzens endlich den ersehnten Plattenvertrag. Der Name der Band: The Beatles.

Beharrlichkeit und das richtige Tempo sind also auch wichtige Faktoren, wenn es um das richtige Timing geht. Manchmal ist die Zeit für eine Idee noch nicht gekommen – auch wenn du sie am liebsten sofort umsetzen würdest. Jetzt bloß cool bleiben, die Geduld bewahren und deinen Masterplan ein bisschen nach hinten schieben. Gut möglich, dass er mit dem richtigen Timing doch noch rockt, nur eben ein bisschen später.

Schlechtes Timing? Schadensbegrenzung!

Es gibt gute Zeitpunkte und es gibt schlechte. Natürlich will es Murphy’s Law, dass du ausgerechnet in dem Moment deinen Schreibtisch verlässt, da dein Chef mit diesem superwichtigen Kunden eine superwichtige Bürobesichtigung durchführt. Und natürlich fällt dir erst morgens am letzten Urlaubstag ein, dass du vergessen hast, einen wichtigen Blogartikel zu schreiben, der eigentlich schon am Vortag hätte erscheinen sollen (wie es der Autorin natürlich nie passiert ist!). Keine Frage, das ist total ärgerlich für alle Beteiligten, aber weniger ein Zeichen von schlechtem Timing als von schlechter Organisation. Da bleibt dir nur, dich aufrichtig und ohne Ausflüchte bei deinem Chef und deinen Kollegen zu entschuldigen und, wenn möglich, den Schaden wieder gutzumachen.

Das richtige Bauchgefühl

Auch im Privatleben stellt sich des Öfteren die Frage nach gutem oder schlechtem Timing – oft mit großem Einfluss auf das Berufsleben. Du hast die Zusage für diesen wirklich tollen Job in einer anderen Stadt, die Umzugskartons sind gepackt und dann läuft dir am Tag der Abreise dein Traumpartner vor die Füße. Oder du hast am Vorabend noch auf die lang herbeigesehnte Beförderung angestoßen und am nächsten Morgen zeigt der Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis. Schlechtes Timing at it’s best – oder auch eine Chance, deinen eigenen Lebensentwurf noch einmal zu überdenken. Was macht dich wirklich glücklich und hast du nicht vielleicht doch  noch Alternativen in der Hinterhand, die du nicht mehr auf dem Schirm hattest? Manchmal ist schlechtes Timing – genauso wie gutes Timing – nämlich nichts weiter als eine Frage der persönlichen Perspektive.

Geschrieben von

Laura Zink

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