Selbstständigkeit & Sicherheit – Wie man Franchisenehmer wird

Süße Selbstständigkeit! Wer hat nicht schon einmal sehnsuchtsvoll daran gedacht, wie es wäre, sein eigener Herr zu sein? Leider bringt das aber nicht nur Vorteile, sondern auch einen ganzen Haufen an Risiken und Nebenwirkungen, Kosten und Verantwortung mit sich. Ein gesundes Mittelding zwischen Selbstständigkeit und Sicherheit bieten hingegen das Franchising. Bei einem solchen stellt man dir gegen eine gewisse Gebühr ein bewährtes Konzept, eine etablierte Marke und eine Menge Know-how zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtest du dich dazu, der vorgegebenen geschäftlichen Marschroute zu folgen. Welche Vor- und Nachteile das Franchise-System sonst noch mit sich bringt, welche Voraussetzungen verlangt werden, um ein eigenes Franchise zu übernehmen, und worauf Einsteiger unbedingt achten sollten, verraten wir dir heute im Blog!

Franchise – Was ist das genau?

In einem Franchise-System gibt es Franchisenehmer und Franchisegeber. Als Nehmer zahlst du dem Franchisegeber eine Gebühr, dafür darfst du dessen Geschäftsidee und Geschäftskonzept in einem bestimmten regionalen Raum fortführen und bekommst allerhand Nutzungsrechte übertragen, zum Beispiel für Marken, Namen, Symbole oder Rezepturen. Dafür schreibt der Franchisegeber aber die Unternehmensidentität, das Waren- oder Dienstleistungsangebot, die optische Gestaltung und die Ausstattung deiner Filiale vor. Der Franchisegeber plant und kontrolliert zudem deinen Betrieb. Deine kaufmännischen Aufgaben drehen sich daher vor allem um Vertrieb, Akquise von Kunden und Mitarbeiterführung.

„Deine Aufgaben als Franchisenehmer: Vertrieb, Kundenbeziehungen und Mitarbeiterführung“

Ganz simple Beispiele sind weltweit bekannte Fastfood-Ketten, die alle unter einem großen Namen zu finden sind, deren einzelne Filialen aber von Franchisenehmern geführt werden. In Deutschland gibt es rund 1000 solcher Franchise-Systeme, vom Reisebüro über die Systemgastronomie und die Kette mit Backwaren bis hin zum Geschäft für Babyausstattung.

 

Das komplette Unternehmenskonzept bekommst du in einem Handbuch zur Verfügung gestellt. Darin findest du alle wichtigen Formulare und Statistiken, aber auch einen ausgearbeiteten Businessplan, konkrete Handlungsanweisungen und Infos zur Corporate Identity und Personalpolitik sowie zum Marketing und Controlling. Im Franchisevertrag werden zudem Dinge wie Marketing-Konzepte oder Details zur Buchhaltung geregelt.

Wie die Franchiseleistung im Einzelnen aussieht, ist abhängig vom jeweiligen Franchisesystem. Immer gehören aber das geschützte Know-how, ein Franchisevertrag, Betreuung der Franchisenehmer sowie Schulungsmöglichkeiten dazu. Als Franchisenehmer machst du dich also selbstständig, aber ohne viele der Risiken, die die Gründung eines Betriebs im Alleingang mit sich bringt.

Vorteile für Franchisenehmer

Als Franchisenehmer greifst du auf ein bewährtes Konzept und einen bekannten Namen zurück und umgehst so den Kraftakt, dich mit deinem Geschäft erst auf dem Markt etablieren zu müssen. Die Namen und Symbole, die du nutzt, sind bereits im Bewusstsein der Kundschaft verankert – was ein Big Mac ist, musst du niemandem mehr erklären.

Außerdem unterstützt der Franchisegeber angehende Unternehmer bei der gesamten Existenzgründung, etwa bei der Standortsuche, beim Aufbau sowie bei der Führung des Betriebs. Er liefert dir ein fertiges Einrichtungskonzept (die Läden sollen schließlich einen Wiedererkennungswert besitzen und sich alle irgendwie ähneln) und du profitierst von der überregionalen Werbung des Franchisegebers.

Daneben veranstaltet der Franchisepartner regelmäßig betriebswirtschaftliche und fachliche Schulungen, deren Teilnahme verpflichtend ist. Daneben darfst du auf das geballte Know-how des Unternehmens zurückgreifen, ob nun in Sachen Marketing, Personalführung oder Arbeitsabläufen. Des Weiteren gibt man dir zahlreiche Markttests und Kalkulationshilfen zur Hand.

„Die Vorteile: ein bewährtes Konzept, Schulungen und jede Menge Know-how“

Oft genießt du auch den sogenannten Gebietsschutz, der sicherstellt, dass innerhalb eines Gebiets keine weitere Filiale desselben Franchises aufmacht. Zusätzlich erwarten dich meistens auch günstige Einkaufskonditionen durch die Großkundenkonditionen des Franchisegebers. Und ein speziell zugeschnittenes IT-System, das dir Aufgaben in Bereichen wie Organisation, Rechnungswesen und Controlling erleichtert, gibt es in der Regel auch dazu.

Einige Franchisegeber greifen dir anfangs auch finanziell unter die Arme, zum Beispiel mit Darlehen, Kostenbeteiligungen, Mietzuschüssen, Lieferanten- und Warenkrediten oder der Staffelung der Eintritts- und der laufenden Gebühren.

Nachteile für Franchisenehmer

Der größte Nachteil besteht für dich als Franchisenehmer mit Sicherheit darin, dass du einen gewaltigen Teil jener Individualität aufgibst, die andere Selbstständige genießen. Ob die Einrichtung deiner Mietwagenfiliale oder die Speisekarte deines Sandwichladens – das komplette Konzept wird vom Franchisegeber vorgegeben. Was verständlich ist, man will sich dort ja schließlich die Unternehmensidentität bewahren. Und eine rein vegane Filiale würde beispielsweise kaum zum Bild der großen Fastfood-Ketten passen.

Das bedeutet im Gegenzug, dass du immer vom Image deines Franchisegebers abhängig bist. Wenn der beschließt, nur noch Fleisch aus Massentierhaltung zu holen oder für ausbeuterische Löhne in anderen Ländern berüchtigt ist, dann färbt das automatisch auch auf deine Filiale ab.

Ein weiterer Negativpunkt ist, dass es in Deutschland noch kein Franchisegesetz, also keine gesetzlichen Regelungen für Franchiseverträge und vorvertragliche Aufklärungspflichten gibt. Doch keine Angst, ein rechtsfreier Raum ist Deutschland deswegen auch nicht, es gibt zahlreiche etablierte Vorgaben, zum Beispiel im Hinblick auf das Kartellrecht oder das Verbraucherschutzrecht.

„Als Franchisenehmer tauschst du unternehmerische Individualität gegen Sicherheit“

Und dann wäre da noch die finanzielle Belastung. Aber die hast du bei jedem Schritt in die Selbstständigkeit – und hier ist das Risiko einer wirtschaftlichen Bruchlandung deutlich geringer. Die Gebühr, die du zahlst, kann je nach System bis zu 33 % deines Umsatzes betragen. Manchmal trägst du auch die Mietkosten für die Filialräume. Gerade die Anfangsinvestition in Lizenz und Erstausstattung solltest du nicht unterschätzen.

Die Voraussetzungen

Wenn du unter die Franchisenehmer gehen möchtest, benötigst du zuerst einmal das nötige Eigenkapital. Einmalige Kosten fallen für die Eintrittsgebühr und für Anschaffungen wie die Ausstattung oder den anfänglichen Warenbestand an. Daneben hast du laufende, vom Umsatz abhängige Franchisegebühren, und andere monatliche Kosten, etwa für die Gehälter deiner Angestellten.

Manche Franchisegeber verlangen gar keine Eintrittsgebühren, andere in fünfstelliger Höhe. 2015 lagen die durchschnittlichen Einstiegsgebühren für ein Franchise in Deutschland bei rund 10.000 Euro. Die Hälfte aller Franchisenehmer kommt im ersten Jahr auf Gesamtinvestitionskosten von unter 50.000 Euro. Dazu solltest du noch ein paar Rücklagen haben, falls es in den ersten Monaten noch nicht so rund läuft und du die Zeit bis zum ersten Gewinn überbrücken musst.

Die bisherige Berufserfahrung ist allerdings nicht ausschlaggebend – dank der vielen Schulungen und der weiteren Unterstützung durch den Franchisegeber eignet sich das System bestens für Quereinsteiger. Den Willen, dazuzulernen und dich in der Freizeit weiterzubilden, musst du aber ganz allein aufbringen – ebenso wie die Bereitschaft, mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Ein bisschen betriebswirtschaftliches Wissen sowie die eine oder andere Führungs- und Motivationsfähigkeit kann natürlich trotzdem nicht schaden.

Und nicht zuletzt solltest du dich umfangreich vorbereiten, dich vollständig mit dem Franchise auseinandersetzen, dir die Konzepte ausführlich erörtern lassen und mit bestehenden Franchisenehmern sprechen. So könntest du vielleicht auch mal in einer der anderen Niederlassungen hospitieren.

Tipps für angehende Franchisenehmer

Unter den Franchisegebern gibt es sicher auch den einen oder anderen unseriösen Anbieter, der beispielsweise nur die allernötigste Ware zur Verfügung stellt. Daher solltest du dir auf jeden Fall den Deutschen Franchise-Verband anschauen. Rund die Hälfte aller Franchise-Geber ist dort Mitglied und wurde hinsichtlich ihrer Professionalität, Seriosität und Fairness geprüft. Daneben kannst du dich auch bei den Industrie- und Handelskammern, bei Handwerkskammern, Banken sowie Wirtschaftsverbänden über den Franchisegeber deiner Wahl informieren. In jedem Fall solltest du den Franchise-Vertrag unbedingt mit einem Anwalt oder einem Rechtsberater durchsehen, bevor du unterschreibst.

Wie jeder Existenzgründer kannst du auf eine geförderte Franchiseberatung im Vorfeld zurückgreifen und sparst dann zwischen 50 und 80 % der Beratungskosten. Außerdem ist es mit einem Franchise deutlich einfacher, ein Bankdarlehen zu bekommen, als mit eigenen Geschäftsideen. Bürgerschaftsbanken unterstützen Gründungswillige zudem bei der Franchise-Finanzierung und bürgen für fehlende Sicherheiten bei der Kreditaufnahme. So kannst du dir den Traum der risikoarmen Selbstständigkeit auch dann erfüllen, wenn du das nötige Startkapital nicht mal eben so im Sparstrumpf stecken hast.

Titelbild: Thinkstock|monkeybusinessimages

Geschrieben von

Björn Remiszewski

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