„Warum sollte ich Sie einstellen?“ – Fiese Fragen im Vorstellungsgespräch

Wie viele Kühe gibt es in Kanada? Welches Küchengerät wären Sie? Man hört ja oft von kuriosen Brainteasern, also den Hirnkitzlern, mit denen Arbeitgeber wie Google beim Vorstellungsgespräch die Kandidaten triezen. In den meisten Vorstellungsgesprächen geht es aber etwas klassischer zu. Wobei „klassischer“ auf keinen Fall „weniger fordernd“ bedeutet. Denn gerade die eigentlich klaren Fragen verlangen häufig die sorgfältigsten Antworten. Solche Fragen können uns komplett auf dem falschen Fuß erwischen. Wie du dann aber auf den richtigen Fuß hüpfst, welche tückischen Fragen besonders häufig gestellt werden und warum sie eigentlich gar nicht so fies sind, wie sie erscheinen, das verraten wir euch heute im Blog. Vorhang auf für unseren Katalog der fiesen Fragen im Vorstellungsgespräch!

Der tut nix!

Wenn du im Vorstellungsgespräch dem Personaler gegenübersitzt, dann solltest du zuerst einmal daran denken, dass er dir nichts Böses will. Warum sollte er auch? Wenn du hier schon sitzt, dann hast du die erste Bewerbungsrunde bereits gemeistert. Man interessiert sich für dich, sonst wärst du jetzt nicht hier. Weshalb sollte man dich also jetzt durch fiese Fragen bloßstellen wollen?

Unordentlicher Schreibtisch oder zwei linke Hände – „Was sind Ihre Schwächen?“

Beginnen wir mit dem Stolperstein schlechthin. Dieser hinterhältige Typus wird gerne auch mal variiert: „Welche Soft Skills fehlen Ihnen?“ „Was ist ihr größter Fehler?“ Hier gilt es, sich vorab ein paar kleine, wenig schlimme Defizite zurechtzulegen. Natürlich solltest du deine zwei linken Hände verschweigen, wenn du dich als Chirurg bewirbst.

Außerdem solltest du immer im gleichen Atemzug betonen, dass du willens bist, an der Schwäche zu arbeiten, bestenfalls schon bis zum Dienstantritt. Wenn man es ganz geschickt angehen möchte, verkauft man eine vermeintliche Schwäche sogar als eigentliche Stärke, Stichwort „Unordentlicher Schreibtisch = Kreativer Kopf“. Ausführliche Infos und Tipps zur fiesen Frage nach den eigenen Schwächen findest du übrigens hier.

Mut zur Lücke – „Was haben Sie in diesem Zeitraum gemacht?“

Die Lücken im Lebenslauf sind auch so eine Sache. Wenn dein Studienabschluss nun schon ein paar Monate zurückliegt, dann hakt man hier unter Umständen nach. Aber keine Panik, wenn diese Lücke wirklich stören würde, dann hätte man dich schon bei der Durchsicht deiner Unterlagen ausgesiebt. Und was auch immer der Grund für diese kleine Leerstelle ist – verschweige, dass dir in dieser Zeit einfach die Lust fehlte und verfall auch nicht in Selbstmitleid, weil dich alle nur als Praktikant ausbeuten wollten. Verweise lieber auf deine bereits gesammelten praktischen Erfahrungen und versuche, nachvollziehbar zu begründen, warum du mit deiner Bewerbung so lange gewartet hast. Hast du dir den Traum einer Weltreise erfüllt? Oder war bislang einfach kein passendes Angebot dabei, weil du auf eine ganz besondere Stelle gewartet hast?

Team Edward – „Haben Sie schon einmal eine Anweisung Ihres Vorgesetzten ignoriert?“

Gerne wird auch mal dein rebellischen Charakter geprüft: „Haben Sie schon mal eine Unternehmensregel gebrochen? Oder sich der Anweisung Ihres Vorgesetzten widersetzt?“ Wer jetzt behauptet, reinen Gewissens zu sein, wirkt wenig glaubwürdig. Wichtig ist nur, dass du deine Entscheidung begründen kannst. Natürlich sollte es sich nicht um ein firmenschädigendes oder egoistisches Vergehen handeln, und deine Missachtung sollte auch nicht völlig nach hinten losgegangen sein. War dein Alleingang aber mit besten Absichten durchgeführt, dann raus damit! Wo wären wir schließlich ohne die Edward Snowdens dieser Welt?

Knoblauchfahne – „Wie gehen Sie mit Kritik um?“

Auch so eine fiese Frage. Was soll man da groß drauf antworten? Bloß nicht, dass Kritik dir nichts ausmacht. Jede Kritik trifft irgendwie und ist unangenehm, man fühlt sich immer angegriffen. Die richtige Antwort ist hier, offen für Kritik zu sein, sofern sie fair und konstruktiv ist. So eine Kritik hilft schließlich, sich zu verbessern und an Defiziten zu arbeiten. Du möchtest von deinem Kumpel doch sicher auch auf die Knoblauchfahne hingewiesen werden, ehe du zu deinem Date aufbrichst, oder?

Vorstellungsgespräch in a nutshell – „Warum sollte ich Sie einstellen?“

Du denkst, das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen. Du warst charmant wie ein Lächeln von Ryan Gosling und wusstest auch bei den fachlichen Fragen zu überzeugen. Du kannst die Tinte unter dem Arbeitsvertrag geradezu schnuppern. Doch dann wirft dir dein Gegenüber ganz nüchtern zu: „Ich bin immer noch nicht überzeugt. Warum sollte ich Sie einstellen?“ Im ersten Moment denkst du vielleicht: „Haben Sie die letzten zwanzig Minuten nicht zugehört?!“ Doch was dir der Personaler hier serviert, ist eine absichtliche Stressfrage. Jetzt kannst du zeigen, wie du auf unangenehme Situationen reagierst. Und zwar am besten so, wie immer: Ruhe bewahren und durchatmen. Und dann tun, wonach verlangt wurde: Deutlich und knackig auf den Punkt bringen, warum du der beste Kandidat bist. Euer gesamtes Vorstellungsgespräch in a nutshell quasi.

Ein guter Zweidruck

Keine Frage möchte dir etwas Böses. Der Personaler hat bei jeder Frage ein ganz klares Ziel vor Augen: Entweder er interessiert sich für einen bestimmten Punkt aus deiner Vita, oder er möchte gucken, wie du in bestimmten Situationen reagierst. Das solltest du dir immer wieder vor Augen halten. Ebenso wie die Tatsache, dass man dich erst gar nicht eingeladen hätte, wenn deine Bewerbung nicht überzeugt hätte. Du musst also keinen guten Eindruck machen, sondern bestätigen. Und mit ein bisschen Vorbereitung sollte dir das auch gelingen. Mach dich einfach auf ein paar fiese Fragen gefasst, das nimmt ihnen den Schrecken, wenn sie dann aus dem Nichts auftauchen. Und auf den ersten guten Eindruck folgt der perfekte Zweidruck.

Bildquelle: Thinkstock/nandyphotos

Geschrieben von

Björn Remiszewski

4 Kommentare

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  • Ich denke, man sollte sich vor einem Vorstellungsgespräch nicht so verrückt machen lassen. Am anderen Ende des Tisches sitzt auch nur ein Mensch und dieser kocht auch nur mit Wasser. Dennoch ist eine gute Vorbereitung natürlich das A und O. Denn das zeigt Engagement, Motivation und Einsatz. Und das ist oft schon der Türöffner für alles Weitere. Wen würden Sie als Chef einstellen wollen? Wie müsste sich diese Person geben? Wer diese Fragen beantworten kann und noch ein paar Tipps und Tricks der Profis mitnimmt, hat das Vorstellungsgespräch bereits in trockenen Tüchern! Viel Erfolg!

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