Erfolg: Was ist das eigentlich?

Schon zu Schulzeiten wurde uns gerne „viel Erfolg“ gewünscht. Wir haben die Schule dann erfolgreich hinter uns gebracht, uns erfolgsversprechende Studiengänge ausgesucht und diese mit einigen Erfolgs- und Misserfolgserlebnissen gemeistert. Also surfen wir alle glücklich und zufrieden auf einer Erfolgswelle? Irgendwie nicht, zumindest scheinen sich die Meisten nicht wirklich als Erfolgsmenschen zu definieren. Was bedeutet es überhaupt, erfolgreich zu sein? Und wie können wir es schaffen, uns so zu fühlen?

Der Erfolg der Anderen

Unterhält man sich im Freundeskreis über die Uni und/oder das Arbeitsleben, hört man eher selten Sätze wie: „Wow, ich bin wirklich ziemlich erfolgreich!“ Ob das an der Leistungsgesellschaft liegt, die einem das Motto „mehr (Erfolg) geht immer“ vermittelt? Denkt mal an die erfolgreichste Person in eurem Umfeld – gibt die regelmäßig mit ihren Leistungen an? Wahrscheinlich eher nicht. Bescheidenheit ist eine Tugend, und wenn man dann doch mal eine hervorragende Prüfung ablegt oder befördert wird, spielt man die eigene Leistung doch ganz gerne mal runter. Und irgendwie hat man immer das Gefühl, dass die Anderen immer erfolgreicher sind als man selbst: Die eine Bekannte bekommt offenbar monatlich eine Gehaltserhöhung, der Kumpel hat 10 Urlaubstage mehr im Jahr zur Verfügung und die Schwägerin fährt immer den neusten Firmenwagen.

Erfolg Walter Scott

„Neid Fever, Neid Fever – we know how to do it.“

Der größte Feind des Sich-erfolgreich-Fühlens ist definitiv das Schielen nach dem Erfolg der Anderen und der daraus resultierende Neid. Wer sich alle Nase lang fragt, warum Person X mehr Geld, den besseren Computer und die flexibleren Arbeitszeiten hat und was man falsch gemacht haben könnte, da man nicht direkt von einem Großkonzern von der Uni wegrekrutiert wurde, kann die eigenen, vermeintlich kleineren Erfolge kaum schätzen. Kommen dann noch die Eltern an und erzählen von der Tochter der Nachbarn, die ja in ihrem jungen Alter schon eine so steile Karriere hingelegt hat, macht das die Sache nicht besser.

Count your Blessings

An wem oder was wird eigentlich gemessen, ob ich ein erfolgreicher Mensch bin? Am durchschnittlichen Bruttoverdienst? An einem Titel wie Senior Consultant of Distribution? Oder womöglich an der Abschlussnote? Der Duden definiert Erfolg als „positives Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung“. Ich finde, diese Definition sollte man einfach mal verinnerlichen, da sie den Winkel, aus dem Erfolg oft betrachtet wird, etwas verschiebt. Du hast für die Klausur richtig viel gelernt (Bemühung) und sie bestanden (positives Ergebnis) – DAS ist Erfolg! Du hast eine perfekte Bewerbung geschrieben, den Job bekommen und so genau die beabsichtigte Wirkung erzielt? Das ist ebenfalls Erfolg! Davon, dass der Kommilitone vielleicht eine Frage etwas besser beantwortet hat oder eine Kollegin mehr verdient als du und das dein Erfolgserlebnis schmälert, steht im Duden übrigens nichts.

Erfolg Maya Angelou

Auch kleine Erfolge sind Erfolge

Wenn sich mal wieder einer dieser miesen fiesen kleinen Neidgedanken in den Kopf einschleicht und man sich denkt: „Warum der/die/das und nicht ich? Warum sind alle erfolgreicher als ich?“, dann sollte man sich wirklich noch einmal darauf besinnen, was man selbst schon geschafft hat. Zur allergrößten Not kann man sogar mal eine Liste anfertigen, auf der man alle bisherigen Erfolge aufschreibt. Auch wenn das jetzt klingt wie eine doofe Clickbait-Überschrift bei Facebook: Sobald ihr feststellt, was ihr in eurem Leben alles schon geleistet habt, werdet ihr Augen machen – also feiert eure Erfolge, so klein sie auch sein mögen, und seid stolz auf das, was ihr schon erreicht habt.

Quelle Titelbild: Sunny studio / Shutterstockk

Geschrieben von

Leonie Feibig

4 Kommentare

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  • Ich bin der Meinung das wahrer Erfolg nicht vom monatlichen Einkommen oder der reinen Jobposition abhängt. In meiner Sicht hat ein Mensch Erfolg, wenn viele Dinge erreicht werden. Gründung einer Familie, Hausbau, guter Job natürlich auch, sportliche Leistungen, gesammelte Zertifikate etc., Urlaube, Reiseziele etc..

    Leider ist es in unserer Gesellschaft so, dass Erfolg oft nur mit dem Begriff „Geld“ gleichgesetzt wird. Ich finde, dies sollte sich ändern.

    • Ganz meine Meinung. Wobei natürlich auch Partnerschaft, Eigenheim, Job, Zertifikate etc. Neid auslösen können. Deshalb finde ich, man sollte sich einfach auf die persönlichen Ziele konzentrieren und sich erfolgreich fühlen, sobald man diese erreicht hat. Und wenn es nur darum geht, dass man ein bestimmtes Lied auf der Trompete spielen kann – wir sollten einfach viel öfter stolz auf uns sein 🙂

  • Hallo Leonie. Vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Wirtschaftswoche vom 19. Juni 2016 gab es auch zum Thema Erfolg einige Beiträge: http://weiter-lesen.net/1937/deinen-erfolg-sichern/ Meiner Meinung nach gehört zum Erfolg, Dinge zu tun, die einem liegen, die man idealerweise sogar liebt und nicht zu früh aufzugeben! Und ohne eine gewisse Disziplin geht es meisten auch nicht!

    • Hallo Gaby,

      danke für den Tipp und deine Meinung. Disziplin ist definitiv auch ein wichtiger Faktor für den Erfolg und bei Dingen, die man liebt, fällt sie zum Glück auch meistens nicht wirklich schwer.

      LG von Leonie

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