Arbeitslos melden nach dem Studium

Von der Uni in die Festanstellung – das ist die Wunschvorstellung fast aller Absolventen. Und wenn schon nicht direkt der Vertrag auf Lebenszeit winkt, dann doch bitte zumindest eine Stelle auf befristeter Basis. Damit man endlich nicht mehr Mama und Papa anrufen muss, wenn die Finanzen zum Monatsende hin knapp werden. Oder damit die BAföG-Schulden so schnell wie möglich zurückgezahlt sind. Direkt nach dem Abschluss sieht die Wahrheit für viele Absolventen allerdings ernüchternd aus. Je nach Studiengang sehen sich rund 30 Prozent gezwungen, der Bundesagentur für Arbeit einen Besuch abzustatten, weil auch aus der befristeten Stelle nichts geworden ist und man ja irgendwie seinen Lebensunterhalt sichern muss. Was man gegen aufkeimende Existenzangst und eine wackelnde Identität tun kann, das lest ihr jetzt bei uns.

„Und was macht man dann damit?“

Hält man das Ergebnis seiner semesterlangen Arbeit endlich in den Händen, fühlt man sich, als hätte man einen Berggipfel erklommen. Endlich das Abschlusszeugnis – Bachelor, Master, Promotion. „Tschüss, Studentenleben, hallo Zukunft!“, möchte man rufen. Und direkt mit dem Traumjob loslegen. Und klar gibt es diese Studiengänge, bei denen die Headhunter vor den Hörsälen campieren und nur darauf warten, aus den Talenten von heute die Führungskräfte von morgen zu machen. Einmal Zukunft zum Mitnehmen, bitte. Das Leben ist aber nicht immer nur Ponyhof, denn in der Realität tummelt sich der Großteil der Absolventen auf der anderen, weniger rosigen Seite der Medaille.

Das betrifft vor allem diejenigen, die die sogenannten „Orchideenfächer“ studiert haben. Aber auch viele Naturwissenschaftler, wie Biologen und Chemiker, sind betroffen. Hier wird der Scherz: „Ich werde Taxifahrer“, der auf der Erstiparty noch so lustig klang, schnell zu einer erschreckend naheliegenden Option. Da kann schon mal das Selbstbild bröckeln. Was ist, wenn ich in meinem Leben komplett falsch abgebogen bin? Was, wenn ich keine Arbeit finde? Muss ich dann all meine Pläne, die ich hatte, begraben?

88 Prozent aller Akademiker haben nach zwölf Monaten einen Job

Arbeit, das ist immer auch Identität. Absolventen, die in der Schule, an der Uni und in ihrem Leben bislang meist erfolgreich waren, trifft der Gang zum Arbeitsamt oft besonders hart. Nur, wer schon während des Studiums versicherungspflichtig gearbeitet hat, hat einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Dem großen Rest droht Arbeitslosengeld II. Hartz IV, das große Schreckgespenst. Wozu hat man dann eigentlich studiert? Trotzdem solltest du dich, wenn du für deinen Lebensunterhalt nach dem Studium nicht selbst aufkommen kannst, pünktlich drei Monate vor deinem Abschluss arbeitssuchend melden. Sonst droht eine Sperre deiner Bezüge.

Auch wahr – und das ist ermutigend: Du bist nicht allein. Vielen Akademikern geht es so wie dir. Alle haben die gleichen Versagens- und Zukunftsängste. Etwa 30 Prozent aller Absolventen haben schon ihre Abschlusszeugnisse, ihre Ausweispapiere und ihre Meldebestätigung beim Einwohnermeldeamt in einen Umschlag gepackt, um sich arbeitslos zu melden. Nach einem Jahr „Sucharbeitslosigkeit“ hatten 18 Prozent von ihnen einen Job, von den übrigen zwölf Prozent rutschten nur 2,7 Prozent langfristig in die Arbeitslosigkeit.

Jeder Personaler weiß, dass der Weg in den ersten Job für viele Absolventen keine gerade Rutschbahn, sondern eher eine kurvenreiche Schotterpiste ist. Wenn sich die Stellensuche zieht wie Kaugummi, kommt trotzdem schnell die Angst. Davor, dass die Lücke in deinem Lebenslauf zu einem Graben anwächst, der all deine Zukunftsphantasien verschlingt. In Panik zu geraten und wahllos Bewerbungen loszuschicken, ist aber selten die beste Taktik.

Nimm dir für die Stellensuche lieber eine Woche Zeit, schau in Ruhe, was zu dir passt und bewirb dich gezielt. Bei uns findest du zum Beispiel viele Stellenangebote für Geisteswissenschaftler, und unser Jobnavigator schlägt dir zahlreiche spannende Beruf vor, die zu deinem Studiengang passen. Und: Stapel nicht zu tief, auch wenn dein Selbstbewusstsein angeknackst sein mag. Dein Abschluss ist nicht weniger wert, nur weil du arbeitslos bist. Du bist auch nicht dümmer, fauler oder minderwertiger als jemand, der schon eine Festanstellung hat. Willst du dem Stillstand vorbeugen, machen sich ehrenamtliche Jobs und Praktika gut. Wir verraten dir, wie du die perfekte Bewerbung zusammenstellst.

Weil jeder fünfte erwerbstätige Akademiker in Deutschland älter als 55 Jahre ist, gerät auf dem Arbeitsmarkt gerade einiges in Bewegung. Und, Balsam für die geschundenen Seelen der Geistes- und Sozialwissenschaftler: Nirgendwo war der Stellenzuwachs unter Akademikern 2014 größer als bei ihnen. Genauso wie die Zahl der erfolgreichen Quereinsteiger. Es lohnt sich also, sich mal etwas komplett Neues zuzutrauen. Man muss nur wissen, warum der Arbeitsmarkt dringend auch Geistes- und Sozialwissenschaftler braucht.

Bildquelle: Thinkstock/crossstudio

Geschrieben von

Laura Zink

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