Leider eine Absage – wenn der Berufseinstieg nach der Uni nicht klappt

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat einer meiner besten Freunde zum Einstand in seinem ersten Job nach der Uni eine Fete geschmissen. Ein toller Anlass zum Anstoßen war das, haben wir uns in unserem Freundeskreis schon Sorgen gemacht, dass er allmählich die Bewerbungen sein lässt und zu Hause versackt. Er war schließlich schon seit einem knappen Jahr nach seinem Abschluss auf Suche gewesen. Er bewarb sich deutschlandweit, hatte auch diverse Telefoninterviews und Vorstellungsgespräche, aber wenn er denn mal eine Rückmeldung bekam, war es eine Absage. Eine Geschichte, wie viele Akademiker sie erzählen können, und das, obwohl die Statistik gar nicht mal so schlecht klingt:

Laut einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit bewegt sich die Arbeitslosenquote unter Hochschulabsolventen seit einigen Jahren schon um die 2,5 %. Circa 52 % der frischen Absolventen brauchen dabei keine drei Monate, um eine Festanstellung zu finden. Sorgen muss man sich also eigentlich nicht machen, oder?

Suchst du noch oder findest du schon?

Trotzdem kann es sein, dass man das Pech hat und nach der Uni erstmal „sucharbeitslos“ ist. Ein blödes Wort. Es klingt so, als würde man nichts tun und orientierungslos sein. Dabei heißt es im Gegenteil: Hey Unternehmen! Ich suche einen Job! Lasst mich bei euch arbeiten!

Doch wie kommt es, dass so manches Unternehmen deinen Ruf nicht richtig wahrnimmt? Das kann unterschiedliche Gründe haben. Grob unterteilen lassen diese sich so:

  • Irgendwas stimmt mit deiner Bewerbung nicht.
  • Deine Qualifikationen passen nicht richtig zur ausgeschrieben Stelle.
  • In der Kommunikation zwischen dir und dem Unternehmen stimmt etwas nicht.
  • Die Schuld liegt tatsächlich nicht bei dir.

Vier Hürden, die jeder Berufseinsteiger überwinden muss. Gehen wir sie einmal im Einzelnen durch und schauen uns an, wie wir über diese hinwegkommen können.

Gut beworben ist halb gewonnen

Schönes Deckblatt, knackiges Anschreiben, einheitlich formatierten Lebenslauf und das Foto ist auch nicht das schlechteste. Und natürlich einmal die Unterlagen gegenlesen gelassen, um Rechtschreibfehler auszumerzen – so einfach könnte das mit der Bewerbung sein. Ist es für viele allerdings gar nicht. Zwar gibt es Ratgeber zum Thema Bewerbung in Hülle und Fülle, dennoch bekommen Personaler häufig Bewerbungen zugeschickt, bei denen sie anzweifeln, dass sich da jemand wirklich Mühe gegeben hat.

Gute beworben ist halb gewonnen

Check deine Bewerbung lieber einmal zu viel als zu wenig.

Was zum Beispiel sofort sauer aufstößt, sind offensichtlich schnell runtergeschriebene Texte, in denen kaum auf Punkt und Komma oder auf sonst irgendeine Form von Orthographie geachtet wird. Tatsächlich ist einer der häufigsten Gründe, warum Personaler schnell auf Durchzug schalten, ein kaum lesbarer Text. Und die kommen häufiger auf Deutschlands Personalertische als man denkt.

Zweites Gräuel beim Anschreiben: Falsche oder gar keine Kontaktdaten. Wie soll man auf so eine Bewerbung reagieren? Dazu eine kleine Anekdote: Wir hatten einmal eine richtig pfiffige Bewerbung in Form eines Leuchtturms als Briefhülle, in welchem die Bewerbung eingerollt war. Das war mal was anderes und die Bewerbung war toll – nur leider ohne Kontaktdaten. Und wenn dann auch noch der Name des Bewerbers oder der Bewerberin 40 Seiten bei Google füllt, weiß man nicht so recht, wie man reagieren soll.

Das Highlight – gerade bei Online-Bewerbungen – ist allerdings, wenn deine Bewerbung erst gar nicht angekommen ist. Daher direkt der Tipp: Wenn du keine automatische Empfangsbestätigung innerhalb der ersten drei Tage bekommst, ruhig schon einmal nachhaken, aber OHNE zu fragen, wie der Stand deiner Bewerbung ist. Du willst erstmal nur wissen, ob sie überhaupt angekommen ist. Selten wird eine Bewerbung direkt nach Eingang geprüft. Stattdessen werden Bewerbungen in der Regel über ein paar Tage gesammelt um sie dann im Stapel zu bearbeiten. Dieses Vorgehen macht arbeitstechnisch Sinn, sorgt aber natürlich für Wartezeiten.

Warum den Master einstellen, wenn der Bachelor reicht – die Qualifikation

Eine weitere Anekdote aus meinem Freundeskreis: Ein Freund von mir, Master of Science in Geografie mit Schwerpunkt Geomatik, bewarb sich auf verschiedene Jobs im Bereich Kartographie. Der Bewerbungsprozess lief gut an, eine Frage im Vorstellungsgespräch hat ihn jedoch öfters rausgehauen: „Warum sollen wir sie als Master einstellen, wenn ein Bachelor oder ein ausgebildeter Geomatiker für den Job ausreicht – und weniger kostet?“ Überqualifizierte Bewerber werden nämlich ebenso gerne aussortiert wie diejenigen, welche zwar nicht die geforderten Anforderungen erfüllen, im Anschreiben jedoch darauf schwören, sich alles anzueignen, was gebraucht wird. Wer in dem Moment schon Praxiserfahrung zum Berufseinstieg durch Praktika oder passende Nebenjobs vorweisen kann, ist da klar im Vorteil.

Nicht die besten, sondern die passendsten Bewerber machen das Rennen.

Nicht die besten, sondern die passendsten Bewerber machen das Rennen.

Schau dir die Stellenanzeigen also genau an und gehe durch, was gefordert und was „idealerweise“ von dir noch mitgebracht wird. Dann teilst du deine Skills in „gefordert“ und „erwünscht“ ein und kannst auch direkt selbst erkennen, ob du vielleicht unter- oder überqualifiziert bist. Richte dein Anschreiben und deinen Lebenslauf in jedem Fall an den Fertigkeiten aus, die von dir in der Stellenanzeige gefordert werden. Personaler schauen im Schnitt kaum zwei bis drei Minuten das erste und eventuelle letzte Mal auf eine Bewerbung, also prüfen sie in der ersten Runde nur das Matching zwischen den Anforderungen und deinem Profil. Passt das gut zusammen, wird man sich deine Bewerbung sicherlich auch noch ein zweites Mal ansehen.

Wer wart ihr gleich nochmal? – Die Kommunikation im Bewerbungsprozess

Gehen wir davon aus, dass du gute Bewerbungsunterlagen mit korrekten Kontaktdaten abgeliefert hast und deine Qualifikationen auch für dich sprechen. Dann möchte sich das Unternehmen natürlich mit dir in Verbindung setzen und dich näher kennenlernen. Sei also darauf gefasst, den ein oder anderen unerwarteten Anruf zu erhalten und dann weiß auf alle Fälle, wer dich da anruft! Es gibt nichts Peinlicheres als sich bei einem Telefoninterview über zwei verschiedene Jobs zu unterhalten, um dann mittendrin festzustellen, dass man zwei Bewerbungen durcheinandergeworfen hat. Das kann schnell passieren, wenn man sich mehrfach auf dieselben Positionen in unterschiedlichen Unternehmen bewirbt. Vor allem, wenn man sich in kurzer Zeit sehr schnell auf viele Stellen gleichzeitig bewirbt.

telefoninterview unerwartet

Sei spontan: Gerade kleinere Unternehmen melden sich auch gerne mal telefonisch zurück.

Das Gleiche gilt natürlich auch fürs Vorstellungsgespräch: Sei vorbereitet. Wir hatten selbst schon öfters Gespräche mit Bewerbern, die an sich einen guten Eindruck machten, aber gar nicht wussten, dass wir neben Karista auch noch Portale wie meinpraktikum.de oder Ausbildung.de betreiben. Solchen Bewerbern kann man nur schwer glauben, dass es für sie ein Traum wäre, bei uns zu arbeiten.

Wenn das Unternehmen am Zug ist

Häufig ist es aber auch einfach so, dass man nur dasitzt und auf Rückmeldungen wartet. Und wartet. Und wartet. Dann ist das Unternehmen am Zug, bei welchem du dich beworben hast. Und das es dann dauert, kann verschiedene Gründe haben.

Gerade kleine Unternehmen haben oft keine richtige Personalverwaltung, da werden die Bewerbungen direkt von den Abteilungen verwaltet, in welchen neue Stellen besetzt werden müssen. Diese gehen dann die Bewerbungen zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben durch; da dauert es auf jeden Fall länger, bis man wieder etwas hört. Manchmal fehlen auch wichtige Entscheidungsträger für die Stelle, weil sie krank sind oder auf Geschäftsreise. Darüber informiert im Grunde kein Arbeitgeber, man baut schlichtweg darauf, dass Bewerber nicht am Folgetag schon mit einer Antwort rechnen. Unschön aber auch möglich: Deine Bewerbung wurde innerhalb des Unternehmens falsch weitergeleitet. Fehler sind menschlich. In diesem Fall leider zu deiner Last. Und richtig fies ist es, wenn ein Unternehmen sich im Laufe des Bewerbungsverfahrens auf einmal unschlüssig ist, was genau die zu besetzende Stelle leisten soll. Dann kann es natürlich auch noch nicht wirklich sagen, welcher Bewerber der richtige ist und man lässt sich auch noch mehr Zeit mit den Rückmeldungen.

Wichtig für dich: Wenn du nach zwei bis drei Wochen nachhaken möchtest (was du spätestens dann auch tun solltest), erkundige dich nach Möglichkeit immer direkt bei der richtigen Ansprechperson, was mit deiner Bewerbung ist. An der Rezeption wird kaum jemand deine Anfrage beantworten können. Und falls du deine Bewerbungsunterlagen über einen Bekannten oder eine Freundin direkt hast weiterleiten lassen, solltest du auch nicht sie oder ihn immer wieder darauf ansprechen, sondern dich direkt bei der Personalabteilung melden. Aus so einer Nachfrage kann sich unter Umständen direkt ein kleines Telefoninterview entwickeln, also ruf nicht zwischen Tür und Angel an, sondern sei bereit für direkte Rückfragen zu deiner Bewerbung.

Ich habe heute leider eine Absage für dich

Endlich eine Rückmeldung erhalten, aber mal wieder war es eine Absage? Und wieder klingt diese wie die fünf Absagen der anderer Firmen davor? Ärgerlich, aber das liegt an der aktuellen Rechtslage. Denn laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (kurz: AGG) sind Unternehmen stark darin eingeschränkt individuelle Auskünfte bei der Personalwahl zu geben. Da geht man dann lieber auf Nummer sicher und gibt eher allgemeingültige Antworten. Sollte ein Unternehmen dir dennoch einmal genauere Gründe nennen, warum es mit der Bewerbung nicht geklappt hat, solltest du das als konstruktive Kritik nutzen. Dann kannst du dir sicher sein, dass man sich deine Bewerbung genau angesehen hat und möchte dir so weiterhelfen, damit es bei der nächsten Bewerbung besser klappt.

Wie du siehst können einige Dinge passieren zwischen dem Abschicken einer Bewerbung und der hoffentlich bald eintreffenden Zusage. Vieles davon kannst du beeinflussen, also nutze jede Möglichkeit, die du im Prozess der Bewerbung hast, um am Ende auch die Sektkorken knallen lassen zu können.

Bildnachweise:

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CC0 by Matthew Kane

Geschrieben von

Jan-Gerrit Meyer

2 Kommentare

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  • Leider ist es heute absolut normal dass jede Menge Absagen das E-Mail Postfach füllen. Deshalb muss ein Absolvent absolute Stärke und eine dicke Haut beweisen, wenn er sich für seinen ersten Job bewirbt. Nicht aufgeben heißt es dann!

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